



Die Wohnung war ruhig, der Tag eigentlich längst vorbei. Neben mir stand eine Tasse Tee, die ich irgendwann gekocht und dann vergessen hatte. Auf dem Bildschirm meines Laptops blinkte der Cursor in einem Dokument, in dem ich an einem neuen Beitrag schrieb.
Solche Abende gab es viele.
Über drei Jahre hinweg ist mein Business in genau diesen Stunden entstanden. Nach Feierabend, wenn andere den Tag langsam ausklingen ließen. An Wochenenden, wenn endlich Zeit war, weiterzumachen.
Ich öffnete den Laptop, schrieb Texte, plante Inhalte oder sammelte Ideen für neue Themen. Manchmal verging eine Stunde, manchmal mehrere. Oft schaute ich irgendwann auf die Uhr und merkte, dass der Abend fast vorbei war.
Mit der Zeit entwickelte sich daraus etwas, das von außen sehr erfolgreich wirkte.
Mein Instagram-Account wuchs stetig. Immer mehr Menschen folgten meinen Beiträgen, Inhalte wurden gespeichert, geteilt und kommentiert. Viele sagten mir, dass ich mir damit eine starke Basis aufgebaut hätte.
Und darüber habe ich mich auch gefreut.
Nur:
Ein Teil dieser Geschichte blieb für andere unsichtbar:

Während mein Account weiter wuchs, veränderte sich mein Gefühl dabei.
Der Moment, in dem ich einen Beitrag veröffentlichte, fühlte sich irgendwann mehr nach einer notwendigen Aufgabe an als nach einem kreativen Moment. Mein Account war groß geworden und damit entstand automatisch die Vorstellung, dass er ständig weiter gefüllt werden muss.
Ich ertappte mich dabei, dass ich beim Abendessen überlegte, welches Thema als nächstes sinnvoll wäre. Oder dass ich einen Film nur halb verfolgte, weil mir plötzlich ein Satz für einen Beitrag einfiel und ich ihn schnell aufschreiben wollte.
Mein Business entwickelte sich weiter.
Doch gleichzeitig entstand immer öfter die Frage, ob ich wirklich auf diese Weise weitermachen möchte.
Diese Reise hatte ich mir schon lange gewünscht. Rom hat eine Atmosphäre, die sich schwer erklären lässt. Menschen sitzen auf alten Treppen, trinken Espresso, unterhalten sich, schauen einfach dem Leben zu.
An meinem Geburtstag liefen wir durch die Straßen, ohne Plan für den Tag. Wir setzten uns immer wieder irgendwo hin, beobachteten die Menschen, ließen die Stadt auf uns wirken.
Irgendwann schlenderten wir durch eine schmale Seitenstraße. Ich hielt meinen Schatz an der Hand, wurde im Herzen dankbar, dass ich ihn an meiner Seite habe. Menschen gingen vorbei, Stimmen vermischten sich mit den Geräuschen der Stadt.
Während ich dort lief, kam ein Gedanke auf, der mich selbst überrascht hat.
Ich hatte mein Business über Jahre so aufgebaut, dass es anderen gefällt, nicht mir!
Ich hatte mich danach ausgerichtet, was gut ankommt, welche Themen funktionieren, welche Inhalte Aufmerksamkeit bekommen.
In diesem Moment wurde mir etwas bewusst, das mich sofort an mein früheres Business-Thema erinnert hat.
Mein erstes Thema waren toxische Beziehungen. Über Jahre habe ich mich intensiv mit Bindungsmustern, Dysregulation und den Dynamiken beschäftigt, die entstehen, wenn Menschen beginnen, sich stark anzupassen.
Während ich durch Rom's Gassen schlenderte, erkannte ich plötzlich eine Parallele:
Ich hatte mich in meinem Business auf eine Weise verhalten, die ich aus genau diesen Dynamiken kannte.
Ich hatte mich orientiert, reagiert und versucht, Erwartungen zu erfüllen.
Und dabei war mein eigenes Gefühl immer weiter in den Hintergrund gerückt.
Diese Erkenntnis hat mich gleichzeitig erleichtert und nachdenklich gemacht.
Zum ersten Mal verstand ich wirklich, warum mein Business sich über längere Zeit immer anstrengender angefühlt hatte.
Mir wurde klar, dass ich mich selbst aus dem Mittelpunkt meines eigenen Businesses entfernt hatte.
Nach dieser Reise begann ich, mein Business anders zu betrachten.
Einige Ideen ließ ich los, obwohl sie eigentlich interessant klangen. Andere Dinge vereinfachte ich, weil sie unnötig kompliziert geworden waren.
Mit jeder Entscheidung entstand mehr Klarheit.
Ich habe mir eingestanden, dass ich alles, was drei Jahre nicht für mich funktionierte, auch loslassen kann.
Ein paar Wochen später saß ich wieder an meinem Schreibtisch. Der Laptop war geöffnet, der Tag begann wie viele andere zuvor.
Doch etwas hatte sich verändert.

Ich hatte das Gefühl, dass mein Business wieder Raum für meine eigenen Gedanken lässt. Dass Entscheidungen entstehen können, ohne mich an Erwartungen orientieren zu müssen.
In diesem Moment entstand ein Gefühl, das ich lange vermisst hatte.
Vertrauen.
Heute arbeite ich mit Unternehmerinnen, die sich an einem ähnlichen Punkt befinden.
Viele von ihnen haben bereits viel aufgebaut. Erfahrung, Wissen und häufig auch eine gute Sichtbarkeit.
Und dennoch entsteht irgendwann dieses Gefühl, dass ihr Business mehr Energie fordert, als sie ihm eigentlich geben möchten.
Gemeinsam schauen wir uns an, wie ihr Business entstanden ist und welche Strukturen sich über die Jahre gebildet haben.
Schritt für Schritt entsteht daraus ein klareres Bild.
Ein Business, das besser zu der Frau passt, die es führt.
Und häufig höre ich irgendwann einen Satz, der mich jedes Mal berührt: dass sich ihr Business wieder nach ihnen selbst anfühlt.
Genau dort beginnt eine andere Art von Unternehmertum.
Ein Business, das sich mit der eigenen Persönlichkeit entwickelt. Ein Business, in dem Entscheidungen entstehen dürfen, die wirklich zu der Frau passen, die es führt.


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